Gorgias von Leontinoi

Gorgias von Leontinoi,
 
griechischer Philosoph und Rhetor, * Leontinoi (heute Lentini) um 485 v. Chr., ✝ wohl in Thessalien (Larissa?) um 380 v. Chr.; neben Protagoras der bedeutendste Vertreter der Sophistik, kam 427 als Gesandter nach Athen, führte dann nach Art der sophistischen Redner ein Wanderleben. Von seinem Werk sind überliefert: u. a. zwei Verteidigungsreden für Helena und Palamedes und Auszüge aus der philosophischen Abhandlung »Über das Nichtseiende oder die Natur«. Diese Schrift enthält die berühmten skeptisch-relativistischen Thesen: 1) »Nichts ist«; 2) »Selbst wenn etwas ist, so ist es doch unerkennbar«; 3) »Selbst wenn es erkennbar ist, ist es doch nicht mitteilbar«, die in ihrer Deutung jedoch umstritten sind (»Scherz« oder ernst zu nehmende Reaktion auf die eleatische Ontologie). Gorgias war als Rhetor einflussreich (»gorgianischer Stil«). Platon, der einen Dialog nach ihm benannte, hat Gorgias bekämpft und negativ gezeichnet.
 
Ausgabe: Fragmente der Vorsokratiker, begründet von H. Diels, herausgegeben von W. Kranz, Band 2 (181992).
 
 
O. Gigon: G. über das Nichtseiende, in: Hermes, Jg. 71 (1936); W. Nestle: Vom Mythos zum Logos (21941, Nachdr. 1975);
 H.-J. Newiger: Unters. zu G.' Schr. über das Nichtseiende 1973).

Universal-Lexikon. 2012.

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